Das Kloster in Brenkhausen wurde von Abt Hermann I. von Corvey (1223-1257)
als Zisterzienserinnenkloster mit dem Namen "in Valle Deil",
Gottestal in den 40er Jahren des 13. Jahrhunderts gegründet (B 44f.).
Da frühe Urkunden, das Kloster betreffend, als Fälschungen identifiziert
wurden und Brenkhausen durch einen Brand vor dem 2. April 1276 alle früheren
Urkunden verlor, mußten ältere Urkunden und Privilegien des
Klosters von Abt Heinrich von Corvey (1278-1301) bestätigt werden,
woraufhin das Kloster auch unter besonderen Schutz von Kloster Corvey gestellt
wurde. Gleichzeitig war Brenkhausen an das Zisterzienserkloster Hardehausen
gebunden, dessen Äbte als Visitatoren urkundlich überliefert
sind (B 51), woraus hervorgeht, daß das Kloster Brenkhausen im Gegensatz
zu manch anderen Frauenklöstern eine enge Bindung an den Zisterzienserorden
aufwies (B 52).
Als das Kloster vermutlich, in den 40er Jahren des 13. Jahrhunderts, erbaut
wurde, existierte in Brenkhausen seit 1231 (P 8) eine Pfarrkirche mit einem
Johannis Baptsta Patrozinium, das durch das bei Zisterziensern allgemeingültige
Marienpatrozinium erweitert wurde. Die Weihe war 1278 (B 81). 1540 fand
die Weihe der Kapellen S. Vitus, dem Schutzpatron des Corveyer Landes,
und des S. Johannis Baptista, da seit 200 Jahren keine Weihe mehr erfogt
war. Eine Weihe vom 3. Dez. 1320 könnte den Abschluß der Bauarbeiten
am Kloster signalisieren (B 82). Vor 1278 wurde die Kirche um ein Drittel
nach Westen erweitert oder es fand ein entsprechender Neubau statt (P 8,13).
Archäologische Grabungen, der Jahre 1990 bis 1992 bestätigen
eine erste Klosterbauphase von ca. 1245 bis zu dem Brand, der 1271/72 stattgefunden
haben dürfte und die Bauarbeiten erst mal unterbrach. In dieser ersten
Bauphase entstand der an die Kirche anschließende Ostflügel,
der heute im restaurierten Zustand der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts
als Pfarrheim der Gemeinde dient, mit einem Kapitelsaal für die allmorgendlichen
Konventsversammlungen, einem Speisesaal und den Zellen der Nonnen im Obergeschoß
mit Zugang zur Nonnenempore in der Kirche. Daran schlossen sich ein Südflügel
und ein Westfügel jeweils im rechten Winkel an, wobei der Westflügel
bis zum Brand lediglich bis zur Hälfte fertiggestellt gewesen sein
dürfte.
In der dem Brand folgenden zweiten Bauphase wurde der zerstörte Westflügel
abgetragen und einfacher, kleiner, und schräg stehend vollendet. Mit
einer ebenfalls schrägen Mauer wurde die Nordseite des Klosterhofes
bis zur Kirche verschlossen. ob diese schräge Ausführung tatsächlich
auf Zeitdruck zurückzuführen ist ist ungewiß, da interessanterweise
bei den archäologischen Grabungen in der Nordwestecke des Klosterhofes
ein rechtwinkliger Gebäuderest gefunden wurde, der genau parallel
zu den beiden neuen schrägen Bauten steht. Wieso hier aber auf diesen
Gebäuderest die ganze Anlage im Westen und Norden abgestimmt wurde
ist noch nicht schlüssig geklärt. Spätestens seit dem 14.
Jahrhundert widmeten sich die Nonnen u.a. der Erziehung von Mädchen
(P 21) (B 56).
Nach 1560 erlebte das Kloster eine schwere Krise, die u.a. auf in die
eigene Tasche wirtschaftende Pröpste zurückzuführen ist,
deren Aufgabe es war zusammen mit der Äbtissin die Verwaltung des
Klosters und seiner Besitzungen durchzuführen. Da von dem Zisterzienserkloster
Hardehausen und dem Orden lange Zeit keine Hilfe zu erwarten war, fühlte
sich der Corveyer Abt Theodor von Beringhausen (1585-1616) als Landesherr
und, da Brenkhausen eine Corveyer Gründung war, zum Eingreifen verpflichtet
und führte die Umwandlung in ein Benediktinerinnenkloster durch. Es
wurde ein Corveyer Mönch 1595 als Propst eingesetzt. Bei dieser Umwandlung
wurde die Bursfelder Kongregation mit eingeschaltet. Der Ordenswechsel
wurde am 18. Juli 1619 offiziell von dem Apostolischen Nuntius in Köln
bestätigt.
Die zur neuen Besetzung des Klosters herangeholten Benediktinernonnen wählten
1608 ihre erste Äbtissin. Im Gegensatz zu früher entstammte nun
der größte Teil der Nonnen vermögenden Adelsfamilien. Diesem
Umstand, wachsenden wirtschaftlichen Einnahmen des Klosters und der Person
des Corveyer Fürstabtes Florenz von dem Velde, ab 1696, der vorher
Prior in Brenkhausen war, ist es zu verdanken, daß man einen repräsentativeren,
größeren Neubau des Klosters im Stil des Barock zwischen 1710
und 1746 vornahm. Bereits 1688 wurde das Ackerhaus, die sogenannte Zehntscheuer,
1690 das Schweinehaus, 1693 das neue Vorwerk und 1691 ein neues Pforthaus,
in dem der Pfarrer wohnte, auf dem westlichen Klosterareal errichtet (S
54).
Zuerst wurde im Westen der Flügel mit der Hauptschaufassade errichtet,
zu dem der Fürstabt Florenz von dem Velde am 9. April 1710 den, Grundstein
legte, und der die Propstei und die Küche enthalten sollte. Dieser
Flügel schloß an die älteren Gebäude des 13. Jahrhunderts
an und lag parallel zum Ostflügel.
Zu diesem Flügel gehören an beiden Enden Risalite, in denen sich
je ein Eingangsportal mit gesprengtem Giebel, dessen Seiten aus Voluten
gebildet wird, befindet. Neben der Tür ist links und rechts unter
den Voluten des Giebels je eine Nische, in denen am Südportal die
Statuen des Heiligen Johannes Baptist und des Heiligen Vitus stehen. Darunter
in den Kartuschen stehen die Namen der Heiligen und das Datum "9.
September 1710". Am nördlichen Portal sind in den Nischen der
Heilige Benedikt, Stifter des Benediktinerordens und seine Schwester Scholastka
zu sehen. Darunter erscheint in der bezeichnenden Inschrift das Datum "9.
September 1712". In der Mitte des Flügels ist im Mauerwerk eine
weitere Nische eingelassen, in der eine Skulptur der Heiligen Jungfrau
stand, die inzwischen am Schloß von Corvey angebracht ist (S 64).
Darunter steht: "UT CASTRORUM ACIES ORDINATA". Wiederum darunter
in einer Kartusche eine lateinische Inschrift, die übersetzt folgendermaßen
lautet:
"Zu Ehren des gütigen und mächtigen Gottes, der Gottesgebärerin
und Jungfrau und Johannes des Täufers haben dieses Hause im Tale Gottes
erbaut, Anna-Katharina Bömelburg, Dbtissin, und Engelbert von Mülstroe,
Propst und Corveyer Kapitular. 1712!"
Da die Bauakten für diesen ersten Bauabschnitt bisher nicht ausfindig
gemacht werden konnten, ist z.B. die Frage des entwerfenden Architekten
ungeklärt. Sagebiehl allerdings vermutet, daß es sich wegen
der Parallelen zum kurz zuvor begonnenen Corveyer Konventsgebäude
um den fürstlichen Baumeister Josef Falk handeln könnte. Er vermutet
weiter, daß dieser bereits einen Entwurf für den gesamten Neubau
vorlegte, der dann später von einem Andern, vielleicht leicht abgewandelt
ausgeführt wurde. Falk starb im Januar 1712, als der Westflügel
noch nicht vollständig vollendet war. Der Stil Falks soll sich nach
Sagebiehl (S 60) gegenüber den Portalen in Corvey vervollkommnet haben.
Der zweite Bauabschnitt beginnt 1717. Der alte "Küchenflügel",
muß dem neuen Südflügel weichen. An der Mitte der Außenfassade
des neuen Flügels stand in einer Nische die Skulptur der Heiligen
Agathe. Diese Statue wurde von dem Meister "Friedrich Möller
Bildthawern zu Hüxar", zusammen mit zwei Wappentafeln und einer
Schreibtafel, sowie den "Zierahten" um die Skulptur hergestellt
(S 64). Inzwischen ist diese Statue ebenfalls nicht mehr an Ort und Stelle.
Darunter befindet sich noch heute die lateinische Inschrift, die übersetzt
folgendermaßen lautet:
"Heilige Agatha, die du die heizenden Feuer auslöschtest,
sei auch unsern Häusern ein sicherer Schutz."
"Mit Gottes Gunst und Hilfe wurde dieses Gebäude im Jahr
1717 unter der ehrwürdigen Äbtissin Cathatina Agatha von Marteis
und unter dem Propst und Corveyer Kapitular Philip von Friesenhausen angefangen
und i. J. 1735 glücklich vollendet."
Wie die Bauakten bestätigen, wurde aber nicht die ganzen 18 Jahre
an diesem recht kurzen Flügel gearbeitet. Vielmehr wurde nach einem
bescheidenen Anfang im Jahr 1717 erst 1734 richtig mit den Bauarbeiten
begonnen (S 62). Als Bauleiter dürfte inzwischen der Maurermeister
zu Lüchtringen "Thomas Thiermier" (geb. um 1672, gest. am
12. März 1747 in Lüchtringen), ursprünglich aus Tirol, fungiert
haben (S 63).
Für die dritte Bauphase ergibt sich das Jahr 1746 aus einer Inschrift
am Nordflügel, einem kurzen Flügel zwischen dem Westflügel
und der Kirche. Wieder unter einer Figurennische, in der der Heilige Johann
von Nepomuk stand, die heute ebenfalls an der Fassade des Corveyer Schlosses
zu sehen ist, stand das lateinische Chronogramm aus dem sich aus der Addition
der hervorgehobenen Zahlen-Buchstaben die Jahreszahl 1746 ergibt. bersetzt
lautet das Chronogramm:
"Oh Du Hl. Nepomuk, Du wirst Deine getreuen beschützen und
ein sicherer Schutzherr sein für unsere heilige Wahrheit."
Auch die Nonnen des Benediktinerordens sollen sich weiter um die Erziehung
von jungen Mädchen gekümmert haben, aber auch viele Gäste
wurden in den neuen Gebäuden verköstigt und erhielten hier Unterkunft
(B II 149).
Das Kloster wurde nicht einmal 100 Jahre nach seinem Neubau am 28.April
1803 säkularisiert, nachdem das Fürstentum Corvey in den Besitz
des Prinzen von Nassau-Oranien gelangte. Von nun an wurde es zur Domäne.
1806 ging die Domäne in den Besitz des Königreiches Westfalen
über und 1809 wurde sie von Napoleon dem französichen General
Colbert übergeben. Nach der Auflösung des Königreiches 1813
wurde das Fürstentum Corvey unter eine provisorische Regierung von
Preußen und Rußland eingesetzt, gestellt. Am 8. Juni 1814 erhielt
der russische General-Major von Tettenborn die Domäne, die dieser
1818 an den Landgrafen von Hessen-Rotenburg verkaufte, dem ab 1820 von
Preußen die ganze Herrschaft Corvey überlassen wurde. Nach dem
Tod des Landgrafen im Jahr 1834 erbte sein Neffe, der Prinz von Hohenlohe-Waldenburg-
Schillingsfürst und Herzog von Ratibor, das Fürstentum und somit
auch die Domäne Brenkhausen. Im Besitz der Fürsten von Ratibor
blieb die Domäne bis 1960. Seit den 60er Jahren steht das Kloster
leer und gehört dem Land Nordrhein-Westfalen. Der Ostflügel wurde
in den 1970er Jahren restauriert und dient als Pfarrheim der Gemeinde Brenkhausen.
Die drei barocken Flügel wurden 1973/74 "gesichert". Die
Werksteinkaminköpfe wurden abgetragen. Der Dachstuhl wurde saniert
und das Dach umgedeckt, wobei die Decken, z.T. mit Stukkaturen, großflächig
zerstört wurden. Das hölzerne Traufgesims wurde erneuert und
Fenster und Türen gesichert, d.h. zugemauert und zugenagelt. Die verbliebenen
barockenWirtschaftsgebäude auf dem Gelände wurden abgerissen
(W 53 u. W 56).
Die Koptisch-Orthodoxe Kirche beabsichtigt, im Erdgeschoß des Südflügels
eine Kapelle mit Nebenräumen und im Obergeschoß die Klausur
für die Mönche ein- zurichten. Im Westflügei sind im Erdgeschoß
ein Speisesaal sowie Bibliothek und Audiothek, im Obergeschoß Konferenzräume
sowie Eß- und Aufenthaltsräume geplant. Im Nordflügel werden
im Erd- und Obergeschoß Gästezimmer für Ju- gendliche und
Familien geschaffen.